Männergruppe
Text und Musik: Adriano Gambato und Hans-Georg Stapff
Der Inhalt dieser Seite unterliegt dem Urheberrecht. Jede Verwendung außerhalb der Grenzen des Urheberrechts bedarf der vorherigen Zustimmung des Autors. Auszugsweise Zitierungen sind mit Hinweis auf die Fundstelle und den Autor gestattet.
Peter Thiel - Systemischer Berater und Therapeut (DGSF)
20.10.2011
Männer auf dem Weg
Wer von einer Männergruppe hört, denkt vielleicht gleich an das Klischee wollpullibestrickter Männer, möglicherweise aus dem Umfeld der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), die sich in schwerwiegenden Abendsitzungen über das Patriarchat und das Thema Männergewalt unterhalten und sich dabei in Selbstgeißelung üben. Oder auch an eine Gruppe von Männern, die eigentlich alle schwul sind und es sich nur nicht eingestehen wollen. Vorurteile gibt es sicher wie Sand am Meer und oft dienen sie dazu die eigenen Ängste vor der Begegnung mit Männern abzuwehren.
Fragt man dann einen traditionellen Mann, ob er sich vorstellen könne, an einer Männergruppe teilzunehmen, so gibt es zwei typische Antworten:
Wie, eine Gruppe ganz ohne Frauen?
Oder:
Männergruppe, das sind doch alles welche die mit ihrem Leben nicht zurecht kommen. Was soll ich da, ich habe doch keine Probleme.
Wie man sieht, können sich traditionelle Männer Kommunikation über private Angelegenheiten nur im Beisein von Frauen vorstellen, ein lang eintrainiertes Muster, war doch in der Herkunftsfamilie des traditionellen Mannes - etwas platt gesagt - die Mutter für die emotionale Kommunikation zuständig und der Vater für das Heranschaffen von Geld. Die Kommunikation der Mutter bezog sich allerdings weniger auf ihren Mann, als auf den Jungen, der als männlicher Partnerersatz für die Mutter fungiert. Dem Vater war es so ganz recht, musste er sich doch dann weniger die Klagen seiner emotional und sexuell frustrierten Frau anhören, da diese doch den Sohn als Ausgleich zur Verfügung gestellt bekam.
Diese Konstellation hat der Junge und spätere Kind gebliebene Mann so stark verinnerlicht, dass ihm die Frage nach der Teilnahme an einer Männergruppe ähnlich seltsam vorkommt, wie die Frage an einen deutschen Autofahrer, ob er nicht auf der Autobahn auf der linken Fahrbahn fahren wolle. Ein Teilnehmer einer Männergruppe ist aus der Sicht eines durchschnittlich konditionierten Mannes ein Geisterfahrer, der auf der Falschen Fahrbahnseite fährt.
Zweite Argumentationslinie des traditionellen Mannes: Ich habe keine Probleme, ich bin doch nicht krank. Im Extrem führt diese Linie schließlich in den Suizid, so wie etwa bei Gert Bastian und Robert Enke
Gert Bastian (* 26. März 1923 in München; † vermutlich 1. Oktober 1992 in Bonn) war ein deutscher General und Politiker (Die Grünen).
Gert Bastian wurde am 19. Oktober 1992 mit seiner Lebensgefährtin Petra Kelly in der gemeinsamen Wohnung in Bonn-Tannenbusch tot aufgefunden. Nach dem Polizeibericht hatte Bastian seine Lebensgefährtin im Schlaf mit einer Pistole vom Typ Derringer erschossen und sich anschließend selbst getötet.
Robert Enke (* 24. August 1977 in Jena; † 10. November 2009 in Neustadt am Rübenberge) war ein deutscher Fußballtorwart.
Kurze Zeit nach Enkes Tod gab am 20. November 2009 mit Andreas Biermann erstmals ein Fußball-Profi bekannt, dass er sich wegen Depressionen in stationärer Behandlung befindet. Er teilte in einer Pressekonferenz mit, dass er am 20. Oktober einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Der Tod des Nationaltorwarts Robert Enke habe ihn zum Schritt an die Öffentlichkeit bewogen.
Beiden Männer war gemeinsam, sie waren nicht etwa Singles und hätten von daher unzufrieden mit ihrem Leben sein können, sondern lebten mit einer Frau zusammen. Man könnte meinen, die Frau wäre ihr Todesurteil gewesen. Und da erscheint durchaus etwas wahres dran oder können Sie sich erklären warum Mönche wie auch der Papst oft sehr alt werden, obwohl sie keine Frau haben, mit der sie zusammenleben.
Männergruppen gibt es schon seit Jahrhunderten und in der ganzen Zeit ist noch keiner darauf gekommen, darüber zu lachen. Im Gegenteil. Vom DDR-Politbüro bis hin zu Joschka Fischer und seiner Männerrunde - Männergruppen wohin mann schaut. Die größten heute noch existierenden Männergruppen (Frauen dürfen mittlerweile aber auch mitmachen) sind die Bundeswehr, die CSU, die Katholische Kirche, Burschenschaften, Fußballvereine, Schützenvereine, Feuerwehrvereine und Karnevalsvereine. Auch die Richterschaft beim Bundesverfassungsgericht ist beinnahe eine reine Männergruppe, von den sechzehn Richter/innen sind dreizehn Männer und drei Frauen. Im Schreibdienst des Bundesverfassungsgericht dürfte die Proportion umgekehrt sein. Die Frauenbeauftragte hat dort offenbar nicht viel zu sagen. Von daher könnte man sagen, am Bundesverfassungsgerichts mit einem jährlichen Etat in Höhe von ca. 20,6 Mio. € arbeitet eine der bestbezahlten Männergruppen Deutschlands, wenn wir einmal von den Tabellenführern im Fußball FC Schalke 04 und FC Bayern München absehen.
Dass in diesen Männergruppen vieles unter den Teppich gekehrt wird oder leise Töne und Gefühle mit Hilfe betont zackiger oder frömmelnder Rhetorik weggekleistert wird, ist bekannt.
Es gibt aber auch unzählige virtuelle Männergruppen. So z.B. bei den Spielen der Fußball Bundesliga, wenn es sich Hunderttausende von Männer mit einer Bierflasche vor dem Bildschirm bequem machen, um am Spiel "ihrer" Mannschaft teilzunehmen. Dabei geht es im geringerem Maße um das Sehen virtuos gespielten Fußballs, denn um das phantasierte positiv empfundene Erleben, Mitglied der elfköpfigen Mannschaft, also Mitglied einer Männergruppe, zu sein.
Vergleiche hierzu:
"Zum Fußball als Männersache. Plädoyer für die bewußte Entdeckung der Männlichkeit in der auffälligen, jugendlichen Fanszene"
Gerd Dembowski in: "Neue Praxis" Zeitschrift für Sozialpädagogik und Sozialpädagogik" 2/2000, S. 87-91
Doch der traditionelle Mann bedarf der Distanz, Freudentaumel und in die Arme fallen unter Männern, das darf nur in streng selektierten Momenten passieren, so etwa bei der in Deutschland ausgetragenen Fußballweltmeisterschaft 2006. Doch am Aschermittwoch ist alles vorbei und dann gilt es bis zur nächsten Weltmeisterschaft in vier Jahren auszuharren.
Der Mann als Klischee
Seit der Komödie "Der bewegte Mann" mit Til Schweiger in der Hauptrolle ist der Begriff einer Männergruppe in der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden, wenn auch die Vorstellung, so wären Männergruppen wirklich, recht weit daneben liegen kann. Die nette Komödie bedient Klischees, aber ohne Männer zu denunzieren, so wie mann es aus verschiedensten feministischen Zusammenhängen der achtziger und neunziger Jahre kennt, sondern zeigt mit Sympathie und Herz für Männer und auch ein wenig Ironie zu Frauen, die Darstellung einer Männergruppe. Die Männer unterhalten sich permanent über die bewegende Frage auf welche Weise Frauen denn zum Orgasmus kommen. Wenig sympathisch dagegen eine Reihe männlicher Kabarettisten der achtziger Jahre bis heute, die mit einer offenbar stark gestörten eigenen männlichen Identität zu kämpfen haben und sich ihr Brot damit verdienen, auf Kosten anderer Männer billige Witze zum Thema Männergruppe zu reißen. Die Männer die in solchen Vorführungen noch lachen, sind entweder ebenso wie die Kabarettisten auch hinlänglich gestört oder lachen, weil sie denken, ihre neben ihnen sitzende Frau verlangt das so.
Männergruppe als Erfahrungs- und Erlebnisraum
Eine Männergruppe kann ganz anders als zackig, frömmelnd oder lamentierend sein, keine Bundeswehrmännergruppe, kein Priesterseminar und keine "Scheidungsopfer Mann" Jammerrunde. Eine Männergruppe kann statt dessen Platz bieten für Spaß, Trauer, persönlichen Austausch, Gespräch und Unternehmungen, Konflikt und Streit und die Erfahrung und das Erleben von Nähe und Distanz.
Und Frauen sind in einer Männergruppe - auch wenn sie nicht persönlich dabei sind - fest integriert.
Wir bieten interessierten Männer die Teilnahme an einer Männergruppe an.
Zur Zeit gibt es bei uns zwei Möglichkeiten der Teilnahme an einer Männergruppe.
I. Angeleitete Männergruppe I
Worum es geht, worum es gehen kann
Männer auf dem Weg, Männer im Kontakt, Männliche Identität und männliche Lebensentwürfe
Umgang mit Männlichkeit in Gesellschaft und Beziehungen, Beruf und Berufung, Liebes-, Beziehungs- und Konfliktfähigkeit im Kontakt mit Männern und Frauen; Sexualität, Vaterschaft und Familie, Trennung und Neuanfang, Verstrickung und Neustrukturierung, Gefühl und Verstand, Kopf und Bauch, Herz und Schmerz. Wut und Ärger, Trauer und Freude, Lebenslust und Lebensfrust und andere Männer interessierende Themen.
Die angeleitete Gruppe bietet einen geschützten und lebendigen Erfahrungsraum, in dem - anders als meist im Alltag möglich - neue Erfahrungen gemacht, zugelassen und integriert werden können. Dabei können eigene und die Grenzen anderer Männer kennen gelernt und in der Auseinandersetzung, Grenzen, wenn möglich und sinnvoll, erweitert oder in Respekt vor dem anderen und vor sich selbst, überschritten werden.
Leitung der Gruppe:
Peter Thiel
Systemischer Berater, Systemischer Therapeut / Familientherapeut (DGSF)
zertifizierte Ausbildung in Lösungsorientierter-systemischer Psycho-Somatik und körperintegrierter Psychotherapie - www.gstb.org; langjährige Tätigkeit in der Familien-, Trennungs- und Scheidungsberatung
Michael Eichhammer/Peter Thiel
Was ihn kränkt, was ihn tröstet
Broschur, 224 Seiten
Ariston, München 2008
ISBN: 978-3-7205-4032-2
16,95 EUR
Aufgabe des Leiters der Gruppe ist die Strukturierung des äußeren Ablauf des Treffens und die Förderung einer produktiven, respektvollen und entwicklungsfördernde Kultur der Begegnung.
Durch die Erfahrung und Unterstützung des Gruppenleiters können die Teilnehmer, besser als es in nichtangeleiteten Gruppen möglich ist, zu zentralen Konfliktpunkten ihrer persönlichen Entwicklung kommen und neue entwicklungsfördernde Erfahrungen machen.
Zur Zeit biete ich zwei angeleitete Gruppen an:
Eine Gruppe umfasst zur Zeit acht Männer und trifft sich in vierzehntägigen Abstand jeweils Dienstags 20 bis 22 Uhr (Dienstagsgruppe).
Eine zweite Gruppe trifft sich in vierzehntägigen Abstand jeweils Donnerstags 20 bis 22 Uhr (Donnerstagsgruppe).
Einstieg
Für interessierte Männer besteht die Möglichkeit eines Einstiegs in eine der beiden Gruppen.
Ein Vorgespräch mit mir ist möglich. Die Kosten für ein halbstündiges Vorgespräch betragen 10 € / ermäßigt 5 €. Hier kann auch abgeklärt werden, ob die Männergruppe das passende Angebot für den Interessenten ist. Wenn das der Fall ist, kann der Interessent an einen der nächsten Gruppenabende teilnehmen.
Nach einer ersten Teilnahme an einem Gruppenabend kann der Mann in Ruhe überlegen, ob er weiter teilnehmen möchte. Bei einer Entscheidung für eine weitere Teilnahme ist eine regelmäßige Teilnahme erwünscht.
Mitunter gibt es wichtige persönliche oder berufliche Gründe, an einem der Gruppenabende nicht teilzunehmen. In diesen Fällen reicht eine kurze Nachricht an den Leiter aus, dass ein Termin aus wichtigen nicht wahrgenommen werden kann. Der ausgefallene Termin muss nicht bezahlt werden.
Kosten
Die Kosten für die Teilnahme an einer angeleiteten Männergruppe betragen je Abend 15 € / ermäßigt 10 €.
Zeit und Ort
Dienstags 20 bis 22 Uhr
Donnerstag 20 bis 22 Uhr
Die Männergruppe trifft sich vierzehntägig (mit Ferienregelung) in der Beratungspraxis Wollankstraße 133 in Berlin-Pankow.
Erreichbar mit Bus 107, 155, 250, 255; Tram M 1 (Aussteigen Pankow Rathaus); S-Bahnhof Wollankstraße, 15 Minuten Fußweg oder U- und S-Bahnhof Pankow, 20 Minuten Fußweg
Kontakt
Telefonisch: (030) 49 916 880 (Beratungspraxis)
In der Regel werktags 10 - 12 Uhr.
Außerhalb dieser Zeit ist ein Anrufbeantworter geschaltet.
Oder über E-Mail: info@maennerberatung.de
III. "Zeit des Wandels, Wandel der Zeiten"
Ein Wochenendworkshop für Männer vom Mai 2012
Ort: Eichhof - Seminarhaus in der Nähe von Lychen
Die Kurskosten für das Wochenende betragen 80,00 € (ermäßigt 50,00 €).
Unterkunft zwei Übernachtungen 40,00 €.
An- und Abfahrt organisieren die Teilnehmer privat.
Verpflegung organisiert die Gruppe selbst.
Leitung: Peter Thiel
IV. Selbstorganisierten Männergruppe ohne fachliche Leitung
Da es keinen Leiter gibt, bestimmt die Männergruppe selbst, welchen Themen Zeit und Raum gegeben und mit welchen Methoden gearbeitet wird.
Im Rahmen der Treffen der Männergruppe kann das, was gerade für den Einzelnen wichtig ist und das Interesse der Gruppe gewinnt, angesprochen und thematisiert werden. Im Rahmen der Gruppe können sich Männer über aktuelle Fragen, Probleme, Ärger und Konflikte, sei es im Beruf, der Beziehung, der Liebe oder ihrer persönlichen Entwicklung anderen Themenbereichen austauschen.
Der Austausch in der Gruppe bietet eine Möglichkeit, die eigene Sichtweise in der Spiegelung durch die anderen Gruppenteilnehmer zu erleben, an den Erfahrungen und Sichtweisen der anderen Männer teilzuhaben und neue Erfahrungen zu machen, die zu einer Erweiterung oder Veränderung eigener Position und zu persönlichen Wachstum führen können. Dabei kommt der Humor und das Lachen nicht zu kurz, denn das Leben ist zu kurz, um es im Trübsinn und Verbitterung zu verbringen.
Die Teilnahme an der Gruppe wird Teil der eigenen Lebenswirklichkeit, schafft Verbindlichkeit und Verankerung und trägt zur Lebenszufriedenheit bei.
Die Gruppe ist nicht für Männer geeignet, die sich in einer schweren Lebenskrise befinden, massive psychische Probleme oder starke soziale Ängste haben. Hier empfiehlt sich die Teilnahme an einer Einzel- oder Gruppentherapie.
Die Gruppe trifft sich 14-tägig am Montag.
Die Teilnahme an der selbst organisierten Männergruppe ist kostenlos.
Die Männergruppe besteht zur Zeit aus 8 Männern. Es besteht die Möglichkeit eines Einstiegs für einen weiteren Mann.
Für Männer die an einer Teilnahme interessiert sind, besteht die Möglichkeit sich in einem Einzelgespräch über interessierende Fragen zu informieren. Die Kosten für ein halbstündiges Gespräch betragen 10 € / ermäßigt 5 €.
Literatur:
Steve Biddulph: Männer auf der Suche (Sieben Schritte zur Befreiung). München: Heyne, 2003
David Deida: Der Weg des wahren Mannes: Ein Leitfaden für Meisterschaft in Beziehungen, Beruf und Sexualität; Verlag: Kamphausen; 2006
Holger Brandes; Hermann Bullinger (Hg.): Handbuch Männerarbeit, Weinheim 1996
Holger Brandes: "Übertragung, Geschlecht und Gruppe. Ein Versuch der theoretischen Konzeptualisierung von Gruppenübertragungen am Beispiel therapeutischer Männergruppen."; In: "Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik", 2/2003
Hans Stapelfeld; Erich Kirchbaum (Hg.): Männer verändern sich (Wie Männergruppen Lebendigkeit entfalten). , Bielefeld 1995
Thomas Scheskat: Der innenverbundene Mann. Männliche Selbstwahrnehmung und Körperorientierte Therapie; Männerbüroverlag Göttingen, 1994, ISBN 3-930205-00-9
Björn Süfke: Männerseelen: Ein psychologischer Reiseführer; Patmos Verlag; 2008
Peter Thiel ; Michael Eichhammer: Der verletzte Mann; Hugendubel (Ariston), Kreuzlingen, 2008