Männergruppe
Text und Musik: Adriano Gambato und Hans-Georg Stapff
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Peter Thiel - Systemischer Berater und Therapeut (DGSF)
31.03.2010
Männer auf dem Weg
Wer von einer Männergruppe hört, denkt vielleicht gleich an das Klischee wollpullibestrickter Männer, möglicherweise aus dem Umfeld der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), die sich in schwerwiegenden Abendsitzungen über das Patriarchat und das Thema Männergewalt unterhalten und sich dabei in Selbstgeißelung üben. Oder auch an eine Gruppe von Männern, die eigentlich alle schwul sind und es sich nur nicht eingestehen wollen. Vorurteile gibt es sicher wie Sand am Meer und oft dienen sie dazu die eigenen Ängste vor der Begegnung mit Männern abzuwehren.
Andere Männergruppen gibt es schon seit Jahrhunderten und in der ganzen Zeit ist noch keiner darauf gekommen, darüber zu lachen. Im Gegenteil. Vom DDR-Politbüro bis hin zu Joschka Fischer und seiner Männerrunde - Männergruppen wohin mann schaut. Die größten heute noch existierenden Männergruppen (Frauen dürfen mittlerweile aber auch mitmachen) sind die Bundeswehr, die CSU, die Katholische Kirche, Burschenschaften, Fußballvereine, Schützenvereine, Feuerwehrvereine und Karnevalsvereine. Auch die Richterschaft beim Bundesverfassungsgericht ist beinnahe eine reine Männergruppe, von den sechzehn Richter/innen sind dreizehn Männer und drei Frauen. Im Schreibdienst des Bundesverfassungsgericht dürfte die Proportion umgekehrt sein. Die Frauenbeauftragte hat dort offenbar nicht viel zu sagen. Von daher könnte man sagen, am Bundesverfassungsgerichts mit einem jährlichen Etat in Höhe von ca. 20,6 Mio. € arbeitet eine der bestbezahlten Männergruppen Deutschlands, wenn wir einmal von den Tabellenführern im Fußball FC Schalke 04 und FC Bayern München absehen.
Dass in diesen Männergruppen vieles unter den Teppich gekehrt wird oder leise Töne und Gefühle mit Hilfe betont zackiger oder frömmelnder Rhetorik weggekleistert wird, ist bekannt.
Es gibt aber auch unzählige virtuelle Männergruppen. So z.B. bei den Spielen der Fußball Bundesliga, wenn es sich Hunderttausende von Männer mit einer Bierflasche vor dem Bildschirm bequem machen, um am Spiel "ihrer" Mannschaft teilzunehmen. Dabei geht es im geringerem Maße um das Sehen virtuos gespielten Fußballs, denn um das phantasierte positiv empfundene Erleben, Mitglied der elfköpfigen Mannschaft, also Mitglied einer Männergruppe, zu sein.
Vergleiche hierzu:
"Zum Fußball als Männersache. Plädoyer für die bewußte Entdeckung der Männlichkeit in der auffälligen, jugendlichen Fanszene"
Gerd Dembowski in: "Neue Praxis" Zeitschrift für Sozialpädagogik und Sozialpädagogik" 2/2000, S. 87-91
Doch der traditionelle Mann bedarf der Distanz, Freudentaumel und in die Arme fallen unter Männern, das darf nur in streng selektierten Momenten passieren, so etwa bei der in Deutschland ausgetragenen Fußballweltmeisterschaft 2006. Doch am Aschermittwoch ist alles vorbei und dann gilt es bis zur nächsten Weltmeisterschaft in vier Jahren auszuharren.
Der Mann als Klischee
Seit der Komödie "Der bewegte Mann" mit Til Schweiger in der Hauptrolle ist der Begriff einer Männergruppe in der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden, wenn auch die Vorstellung, so wären Männergruppen wirklich, recht weit daneben liegen kann. Die nette Komödie bedient Klischees, aber ohne Männer zu denunzieren, so wie mann es aus verschiedensten feministischen Zusammenhängen der achtziger und neunziger Jahre kennt, sondern zeigt mit Sympathie und Herz für Männer und auch ein wenig Ironie zu Frauen, die Darstellung einer Männergruppe. Die Männer unterhalten sich permanent über die bewegende Frage auf welche Weise Frauen denn zum Orgasmus kommen. Wenig sympathisch dagegen eine Reihe männlicher Kabarettisten der achtziger Jahre bis heute, die mit einer offenbar stark gestörten eigenen männlichen Identität zu kämpfen haben und sich ihr Brot damit verdienen, auf Kosten anderer Männer billige Witze zum Thema Männergruppe zu reißen. Die Männer die in solchen Vorführungen noch lachen, sind entweder ebenso wie die Kabarettisten auch hinlänglich gestört oder lachen, weil sie denken, ihre neben ihnen sitzende Frau verlangt das so.
Eine Männergruppe kann ganz anders als zackig, frömmelnd oder lamentierend laufen und statt dessen Platz bieten für Spaß, Trauer, persönlichen Austausch, Gespräch und Unternehmungen, Konflikt und Streit und die Erfahrung und das Erleben von Nähe und Distanz.
Wir bieten interessierten Männer die Teilnahme an einer Männergruppe an.
Zur Zeit gibt es bei uns zwei Möglichkeiten der Teilnahme an einer Männergruppe.
I. Angeleitete Männergruppe
Worum es geht, worum es gehen kann
Männer auf dem Weg, Männer im Kontakt, Männliche Identität und männliche Lebensentwürfe
Umgang mit Männlichkeit in Gesellschaft und Beziehungen, Beruf und Berufung, Liebes-, Beziehungs- und Konfliktfähigkeit im Kontakt mit Männern und Frauen; Sexualität, Vaterschaft und Familie, Trennung und Neuanfang, Verstrickung und Neustrukturierung, Gefühl und Verstand, Kopf und Bauch, Herz und Schmerz. Wut und Ärger, Trauer und Freude, Lebenslust und Lebensfrust und andere Männer interessierende Themen.
Unsere angeleitete Gruppe bietet einen geschützten und lebendigen Erfahrungsraum, in dem - anders als meist im Alltag möglich - neue Erfahrungen gemacht, zugelassen und integriert werden können. Dabei können eigene und die Grenzen anderer Männer kennen gelernt und in der Auseinandersetzung, Grenzen, wenn möglich und sinnvoll, erweitert oder in Respekt vor dem anderen und vor sich selbst, überschritten werden.
Leitung der Gruppe:
Peter Thiel
Systemischer Berater, Systemischer Therapeut / Familientherapeut (DGSF)
zertifizierte Ausbildung in Lösungsorientierter-systemischer Psycho-Somatik und körperintegrierter Psychotherapie - www.gstb.org; langjährige Tätigkeit in der Familien-, Trennungs- und Scheidungsberatung
Michael Eichhammer/Peter Thiel
Der verletzte Mann
Was ihn kränkt, was ihn tröstet
Broschur, 224 Seiten
Ariston, München 2008
ISBN: 978-3-7205-4032-2
16,95 EUR
Aufgabe des Leiters der Gruppe ist die Strukturierung des äußeren Ablauf des Treffens und die Förderung einer produktiven, respektvollen und entwicklungsfördernde Kultur der Begegnung.
Durch die Erfahrung und Unterstützung des Gruppenleiters können die Teilnehmer, besser als es in nichtangeleiteten Gruppen möglich ist, zu zentralen Konfliktpunkten ihrer persönlichen Entwicklung kommen und neue entwicklungsfördernde Erfahrungen machen.
Die Gruppe umfasst derzeit zehn Männer. Die Gruppe trifft sich zur Zeit in vierzehntägigen Abstand.
Einstieg
Für interessierte Männer besteht die Möglichkeit eines Einstiegs in die Gruppe.
Bei Interesse ist ein Vorgespräch mit dem Gruppenleiter möglich. Die Kosten für ein Vorgespräch betragen 10 € / ermäßigt 5 €.
Hier kann auch abgeklärt werden, ob die Männergruppe das passende Angebot für den Interessenten ist. Scheint das der Fall zu sein, dann kann der Interessent an einen der nächsten Gruppenabende teilnehmen.
Nach einer ersten Teilnahme an einem Gruppenabend kann der interessierte Mann in Ruhe überlegen, ob er weiter teilnehmen möchte. Bei einer Entscheidung für eine weitere Teilnahme ist eine regelmäßige Teilnahme wünschenswert.
Mitunter gibt es wichtige persönliche oder berufliche Gründe, an einem der Gruppenabende nicht teilzunehmen. In diesen Fällen reicht eine kurze Nachricht an den Leiter aus, dass ein Termin nicht wahrgenommen werden kann.
Kosten
Die Kosten für die Teilnahme an der Männergruppe betragen je Abend 15 € / ermäßigt 10 €.
Zeit und Ort
Die Männergruppe trifft sich vierzehntägig (mit Ferienregelung) Donnerstags 20-22 Uhr in der Beratungspraxis Wollankstraße 133 in Berlin-Pankow.
Erreichbar mit Bus 107, 155, 250, 255; Tram M 1 (Aussteigen Pankow Rathaus); S-Bahnhof Wollankstraße, 15 Minuten Fußweg oder U- und S-Bahnhof Pankow, 20 Minuten Fußweg
Kontakt
Telefonisch: (030) 49 916 880 (Beratungspraxis)
In der Regel werktags 10 - 12 Uhr.
Außerhalb dieser Zeit ist ein Anrufbeantworter geschaltet.
Oder über E-Mail: info@maennerberatung.de
II. Selbstorganisierten Männergruppe ohne fachliche Leitung

Da es keinen Leiter gibt, bestimmt die Männergruppe selbst, welchen Themen Zeit und Raum gegeben wird. Bei wichtigen Entscheidungen - so etwa bei der Aufnahme eines neuen Gruppenmitgliedes - gilt das Konsensprinzip, d.h. alle Männer müssen mit der Aufnahme des neuen Gruppenmitgliedes einverstanden sein.
Im Rahmen der Treffen der Männergruppe kann das was gerade für den Einzelnen wichtig ist und das Interesse der Gruppe gewinnt, angesprochen und thematisiert werden. Im Rahmen der Gruppe können sich Männer über ihre Fragen, Probleme, sei es im Beruf, der Beziehung oder der persönlichen Entwicklung, ihren Ärger, Liebesleid, hetero, bi- oder homo Beziehungskonflikte und anderes Interessierendes austauschen. Der Austausch in der Gruppe bietet eine Möglichkeit, die eigene Sichtweise in der Spiegelung durch die anderen Gruppenteilnehmer zu erleben, neue Erfahrungen zu machen. Dabei braucht der Humor nicht zu kurz zu kommen, im Gegenteil. Humor hilft uns, schwer erscheinende Dinge leichter zu tragen.
Die Gruppe ist nicht für Männer geeignet, die sich in einer schweren Lebenskrise befinden, massive psychische Probleme oder starke soziale Ängste haben.
Die Teilnahme an der selbstorganisierten Männergruppe ist kostenlos.
Die Männergruppe besteht zur Zeit aus 8 Männern. Es besteht die Möglichkeit eines Einstiegs für einen weiteren Mann.
Für Männer die an einer Teilnahme interessiert sind, besteht die Möglichkeit sich in einem Einzelgespräch über interessierende Fragen zu informieren. Die Kosten für ein halbstündiges Gespräch betragen 10 € / ermäßigt 5 €.
Literatur:
Steve Biddulph: Männer auf der Suche (Sieben Schritte zur Befreiung). München: Heyne, 2003
David Deida: Der Weg des wahren Mannes: Ein Leitfaden für Meisterschaft in Beziehungen, Beruf und Sexualität; Verlag: Kamphausen; 2006
Holger Brandes; Hermann Bullinger (Hg.): Handbuch Männerarbeit, Weinheim 1996
Holger Brandes: "Übertragung, Geschlecht und Gruppe. Ein Versuch der theoretischen Konzeptualisierung von Gruppenübertragungen am Beispiel therapeutischer Männergruppen."; In: "Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik", 2/2003
Hans Stapelfeld; Erich Kirchbaum (Hg.): Männer verändern sich (Wie Männergruppen Lebendigkeit entfalten). , Bielefeld 1995
Thomas Scheskat: Der innenverbundene Mann. Männliche Selbstwahrnehmung und Körperorientierte Therapie; Männerbüroverlag Göttingen, 1994, ISBN 3-930205-00-9
Björn Süfke: Männerseelen: Ein psychologischer Reiseführer; Patmos Verlag; 2008
Peter Thiel ; Michael Eichhammer: Der verletzte Mann; Hugendubel (Ariston), Kreuzlingen, 2008