Neid

 

 

 

 

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Peter Thiel - Systemischer Berater und Therapeut (DGSF

02.07.2014

 

 

 

 

 

Gebrüder Grimm

Sneewittchen

Es war einmal mitten im Winder, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab, da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich 'hätt ich ein Kind so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen.' Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz, und ward darum das Sneewittchen (Schneeweißchen) genannt. Und wie das Kind geboren war, starb die Königin.

Über ein Jahr nahm sich der König eine andere Gemahlin. Es war eine schöne Frau, aber sie war stolz und übermütig, und konnte nicht leiden, daß sie an Schönheit von jemand sollte übertroffen werden. Sie hatte einen wunderbaren Spiegel, wenn sie vor den trat und sich darin beschaute, sprach sie

 

'Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?'

 

so antwortete der Spiegel

 

'Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.'

 

Da war sie zufrieden, denn sie wußte, daß der Spiegel die Wahrheit sagte.

Sneewittchen aber wuchs heran und wurde immer schöner, und als es sieben Jahre alt war, war es so schön wie der klare Tag, und schöner als die Königin selbst. Als diese einmal ihren Spiegel fragte

 

'Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?'

so antwortete er

 

'Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,

aber Sneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.'

 

Da erschrak die Königin und ward gelb und grün vor Neid. Von Stund an, wenn sie Sneewittchen erblickte, kehrte sich ihr das Herz im Leibe herum, so haßte sie das Mädchen. Und der Neid und Hochmut wuchsen wie ein Unkraut in ihrem Herzen immer höher, daß sie Tag und Nacht keine Ruhe mehr hatte. Da rief sie einen Jäger und sprach 'bring das Kind hinaus in den Wald, ich wills nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du sollst es töten und mir Lunge und Leber zum Wahrzeichen mitbringen.' Der Jäger gehorchte und führte es hinaus, und als er den Hirschfänger gezogen hatte und Sneewittchens unschuldiges Herz durchbohren wollte, fing es an zu weinen und sprach 'ach, lieber Jäger, laß mir mein Leben; ich will in den wilden Wald laufen und nimmermehr wieder heim kommen.' Und weil es so schön war, hatte der Jäger Mitleid und sprach 'so lauf hin, du armes Kind.' 'Die wilden Tiere werden dich bald gefressen haben,' dachte er, und doch wars ihm, als wär ein Stein von seinem Herzen gewälzt, weil er es nicht zu töten brauchte. Und als gerade ein junger Frischling dahergesprungen kam, stach er ihn ab, nahm Lunge und Leber heraus, und brachte sie als Wahrzeichen der Königin mit. Der Koch mußte sie in Salz kochen, und das boshafte Weib aß sie auf und meinte, sie hätte Sneewittchens Lunge und Leber gegessen.

Nun war das arme Kind in dem großen Wald mutterseelig allein, und ward ihm so angst, daß es alle Blätter an den Bäumen ansah und nicht wußte, wie es sich helfen sollte. Da fing es an zu laufen und lief über die spitzen Steine und durch die Dornen, und die wilden Tiere sprangen an ihm vorbei, aber sie taten ihm nichts. Es lief, solange nur die Füße noch fort konnten, bis es bald Abend werden wollte, da sah es ein kleines Häuschen und ging hinein, sich zu ruhen. In dem Häuschen war alles klein, aber so zierlich und reinlich, daß es nicht zu sagen ist. Da stand ein weißgedecktes Tischlein mit sieben kleinen Tellern, jedes Tellerlein mit seinem Löffelein, ferner sieben Messerlein und Gäblein, und sieben Becherlein. An der Wand waren sieben Bettlein nebeneinander aufgestellt und schneeweiße Laken darüber gedeckt. Sneewittchen, weil es so hungrig und durstig war, aß von jedem Tellerlein ein wenig Gemüs und Brot, und trank aus jedem Becherlein einen Tropfen Wein; denn es wollte nicht einem allein alles wegnehmen. Hernach, weil es so müde war, legte es sich in ein Bettchen, aber keins paßte; das eine war zu lang, das andere zu kurz, bis endlich das siebente recht war: und darin blieb es liegen, befahl sich Gott und schlief ein.

Als es ganz dunkel geworden war, kamen die Herren von dem Häuslein, das waren die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz hackten und gruben. Sie zündeten ihre sieben Lichtlein an, und wie es nun hell im Häuslein ward, sahen sie, daß jemand darin gewesen war, denn es stand nicht alles so in der Ordnung, wie sie es verlassen hatten. Der erste sprach 'wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?' Der zweite 'wer hat von meinem Tellerchen gegessen?' Der dritte 'wer hat von meinem Brötchen genommen?' Der vierte 'wer hat von meinem Gemüschen gegessen?' Der fünfte 'wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen?' Der sechste 'wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?' Der siebente 'wer hat aus meinem Becherlein getrunken?' Dann sah sich der erste um und sah, daß auf seinem Bett eine kleine Delle war, da sprach er 'wer hat in mein Bettchen getreten?' Die andern kamen gelaufen und riefen 'in meinem hat auch jemand gelegen.' Der siebente aber, als er in sein Bett sah, erblickte Sneewittchen, das lag darin und schlief. Nun rief er die andern, die kamen herbeigelaufen, und schrien vor Verwunderung, holten ihre sieben Lichtlein und beleuchteten Sneewittchen. 'Ei, du mein Gott! ei, du mein Gott!' riefen sie, 'was ist das Kind so schön!' und hatten so große Freude, daß sie es nicht aufweckten, sondern im Bettlein fortschlafen ließen. Der siebente Zwerg aber schlief bei seinen Gesellen, bei jedem eine Stunde, da war die Nacht herum.

Als es Morgen war, erwachte Sneewittchen, und wie es die sieben Zwerge sah, erschrak es. Sie waren aber freundlich und fragten 'wie heißt du?' 'Ich heiße Sneewittchen,' antwortete es. 'Wie bist du in unser Haus gekommen?' sprachen weiter die Zwerge. Da erzählte es ihnen, daß seine Stiefmutter es hätte wollen umbringen lassen, der Jäger hätte ihm aber das Leben geschenkt, und da wär es gelaufen den ganzen Tag, bis es endlich ihr Häuslein gefunden hätte. Die Zwerge sprachen 'willst du unsern Haushalt versehen, kochen, betten, waschen, nähen und stricken, und willst du alles ordentlich und reinlich halten, so kannst du bei uns bleiben, und es soll dir an nichts fehlen.' 'Ja,' sagte Sneewittchen, 'von Herzen gern,' und blieb bei ihnen. Es hielt ihnen das Haus in Ordnung: morgens gingen sie in die Berge und suchten Erz und Gold, abends kamen sie wieder, und da mußte ihr Essen bereit sein. Den Tag über war das Mädchen allein, da warnten es die guten Zwerglein und sprachen 'hüte dich vor deiner Stiefmutter, die wird bald wissen, daß du hier bist; laß ja niemand herein.'

Die Königin aber, nachdem sie Sneewittchens Lunge und Leber glaubte gegessen zu haben, dachte nicht anders, als sie wäre wieder die erste und Allerschönste, trat vor ihren Spiegel und sprach

 

'Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?'

 

Da antwortete der Spiegel

 

'Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,

aber Sneewittchen über den Bergen

bei den sieben Zwergen

ist noch tausendmal schöner als Ihr.'

 

Da erschrak sie, denn sie wußte, daß der Spiegel wahrheit sprach, und merkte, daß der Jäger sie betrogen hatte und Sneewittchen noch am Leben war. Und da sann und sann sie aufs neue, wie sie es umbringen wollte; denn solange sie nicht die Schönste war im ganzen Land, ließ ihr der Neid keine Ruhe. Und als sie sich endlich etwas ausgedacht hatte, färbte sie sich das Gesicht, und kleidete sich wie eine alte Krämerin, und war ganz unkenntlich. In dieser Gestalt ging sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Türe und rief 'schöne Ware feil! feil!' Sneewittchen guckte zum Fenster heraus und rief 'guten Tag, liebe Frau, was habt Ihr zu verkaufen?' 'Gute Ware, schöne Ware,' antwortete sie, 'Schnürriemen von allen Farben,' und holte einen hervor, der aus bunter Seide geflochten war. 'Die ehrliche Frau kann ich hereinlassen,' dachte Sneewittchen, riegelte die Türe auf und kaufte sich den hübschen Schnürriemen. 'Kind,' sprach die Alte, 'wie du aussiehst! komm, ich will dich einmal ordentlich schnüren.' Sneewittchen hatte kein Arg, stellte sich vor sie, und ließ sich mit dem neuen Schnürriemen schnüren: aber die Alte schnürte geschwind und schnürte so fest, daß dem Sneewittchen der Atem verging, und es für tot hinfiel. 'Nun bist du die Schönste gewesen,' sprach sie und eilte hinaus.

Nicht lange darauf, zur Abendzeit, kamen die sieben Zwerge nach Haus, aber wie erschraken sie, als sie ihr liebes Sneewittchen auf der Erde liegen sahen; und es regte und bewegte sich nicht, als wäre es tot. Sie hoben es in die Höhe, und weil sie sahen, daß es zu fest geschnürt war, schnitten sie den Schnürriemen entzwei: da fing es an ein wenig zu atmen, und ward nach und nach wieder lebendig. Als die Zwerge hörten, was geschehen war, sprachen sie 'die alte Krämerfrau war niemand als die gottlose Königin: hüte dich und laß keinen Menschen herein, wenn wir nicht bei dir sind.'

Das böse Weib aber, als es nach Haus gekommen war, ging vor den Spiegel und fragte

 

'Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?'

 

Da antwortete er wie sonst

 

'Frau Königin' Ihr seid die Schönste hier,

aber Sneewittchen über den Bergen

bei den sieben Zwergen

ist noch tausendmal schöner als Ihr.'

 

Als sie das hörte, lief ihr alles Blut zum Herzen, so erschrak sie, denn sie sah wohl, daß Sneewittchen wieder lebendig geworden war. 'Nun aber,' sprach sie, 'will ich etwas aussinnen, das dich zugrunde richten soll,' und mit Hexenkünsten, die sie verstand, machte sie einen giftigen Kamm. Dann verkleidete sie sich und nahm die Gestalt eines andern alten Weibes an. So ging sie hin über die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Türe und rief 'gute Ware feil! feil!' Sneewittchen schaute heraus und sprach 'geht nur weiter, ich darf niemand hereinlassen.' 'Das Ansehen wird dir doch erlaubt sein,' sprach die Alte, zog den giftigen Kamm heraus und hielt ihn in die Höhe. Da gefiel er dem Kinde so gut, daß es sich betören ließ und die Türe öffnete. Als sie des Kaufs einig waren, sprach die Alte 'nun will ich dich einmal ordentlich kämmen.' Das arme Sneewittchen dachte an nichts, und ließ die Alte gewähren, aber kaum hatte sie den Kamm in die Haare gesteckt, als das Gift darin wirkte, und das Mädchen ohne Besinnung niederfiel. 'Du Ausbund von Schönheit,' sprach das boshafte Weib, 'jetzt ists um dich geschehen,' und ging fort. Zum Glück aber war es bald Abend, wo die sieben Zwerglein nach Haus kamen. Als sie Sneewittchen wie tot auf der Erde liegen sahen, hatten sie gleich die Stiefmutter in Verdacht, suchten nach, und fanden den giftigen Kamm, und kaum hatten sie ihn herausgezogen, so kam Sneewittchen wieder zu sich und erzählte, was vorgegangen war. Da warnten sie es noch einmal, auf seiner Hut zu sein und niemand die Türe zu öffnen.

Die Königin stellte sich daheim vor den Spiegel und sprach

 

'Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?'

 

Da antwortete er wie vorher

 

'Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,

aber Sneewittchen über den Bergen

bei den sieben Zwergen

ist noch tausendmal schöner als Ihr.'

 

Als sie den Spiegel so reden hörte, zitterte und bebte sie vor Zorn. 'Sneewittchen soll sterben,' rief sie, 'und wenn es mein eignes Leben kostet.' Darauf ging sie in eine ganz verborgene einsame Kammer, wo niemand hinkam, und machte da einen giftigen giftigen Apfel. Äußerlich sah er schön aus, weiß mit roten Backen, daß jeder, der ihn erblickte, Lust danach bekam, aber wer ein Stückchen davon aß, der mußte sterben. Als der Apfel fertig war, färbte sie sich das Gesicht und verkleidete sich in eine Bauersfrau, und so ging sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen. Sie klopfte an, Sneewittchen streckte den Kopf zum Fenster heraus und sprach 'ich darf keinen Menschen einlassen, die sieben Zwerge haben mirs verboten.' 'Mir auch recht,' antwortete die Bäuerin, 'meine Äpfel will ich schon los werden. Da, einen will ich dir schenken.' 'Nein,' sprach Sneewittchen, 'ich darf nichts annehmen.' 'Fürchtest du dich vor Gift?' sprach die Alte, 'siehst du, da schneide ich den Apfel in zwei Teile; den roten Backen iß du, den weißen will ich essen.' Der Apfel war aber so künstlich gemacht, daß der rote Backen allein vergiftet war. Sneewittchen lüsterte den schönen Apfel an, und als es sah, daß die Bäuerin davon aß, so konnte es nicht länger widerstehen, streckte die Hand hinaus und nahm die giftige Hälfte. Kaum aber hatte es einen Bissen davon im Mund, so fiel es tot zur Erde nieder. Da betrachtete es die Königin mit grausigen Blicken und lachte überlaut und sprach 'weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz! diesmal können dich die Zwerge nicht wieder erwecken.' Und als sie daheim den Spiegel befragte

 

'Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?'

 

so antwortete er endlich

 

'Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.'

 

Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe, so gut ein neidisches Herz Ruhe haben kann.

Die Zwerglein, wie sie abends nach Haus kamen, fanden Sneewittchen auf der Erde liegen, und es ging kein Atem mehr aus seinem Mund, und es war tot. Sie hoben es auf, suchten, ob sie was Giftiges fänden, schnürten es auf, kämmten ihm die Haare, wuschen es mit Wasser und Wein, aber es half alles nichts; das liebe Kind war tot und blieb tot. Sie legten es auf eine Bahre und setzten sich alle siebene daran und beweinten es, und weinten drei Tage lang. Da wollten sie es begraben, aber es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch, und hatte noch seine schönen roten Backen. Sie sprachen 'das können wir nicht in die schwarze Erde versenken,' und ließen einen durchsichtigen Sarg von Glas machen, daß man es von allen Seiten sehen konnte, legten es hinein, und schrieben mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf, und daß es eine Königstochter wäre. Dann setzten sie den Sarg hinaus auf den Berg, und einer von ihnen blieb immer dabei und bewachte ihn. Und die Tiere kamen auch und beweinten Sneewittchen, erst eine Eule, dann ein Rabe, zuletzt ein Täubchen.

Nun lag Sneewittchen lange lange Zeit in dem Sarg und verweste nicht, sondern sah aus, als wenn es schliefe, denn es war noch so weiß als Schnee, so rot als Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz. Es geschah aber, daß ein Königssohn in den Wald geriet und zu dem Zwergenhaus kam, da zu über nachten. Er sah auf dem Berg den Sarg und das schöne Sneewittchen darin, und las, was mit goldenen Buchstaben darauf geschrieben war. Da sprach er zu den Zwergen 'laßt mir den Sarg, ich will euch geben, was ihr dafür haben wollt.' Aber die Zwerge antworteten 'wir geben ihn nicht um alles Gold in der Welt.' Da sprach er 'so schenkt mir ihn, denn ich kann nicht leben, ohne Sneewittchen zu sehen, ich will es ehren und hochachten wie mein Liebstes.' Wie er so sprach, empfanden die guten Zwerglein Mitleiden mit ihm und gaben ihm den Sarg. Der Königssohn ließ ihn nun von seinen Dienern auf den Schultern forttragen. Da geschah es, daß sie über einen Strauch stolperten, und von dem Schüttern fuhr der giftige Apfelgrütz, den Sneewittchen abgebissen hatte, aus dem Hals. Und nicht lange, so öffnete es die Augen, hob den Deckel vom Sarg in die Höhe, und richtete sich auf, und war wieder lebendig. 'Ach Gott, wo bin ich?' rief es. Der Königssohn sagte voll Freude 'du bist bei mir,' und erzählte, was sich zugetragen hatte, und sprach 'ich habe dich lieber als alles auf der Welt; komm mit mir in meines Vaters Schloß, du sollst meine Gemahlin werden.' Da war ihm Sneewittchen gut und ging mit ihm, und ihre Hochzeit ward mit großer Pracht und Herrlichkeit angeordnet.

Zu dem Fest wurde aber auch Sneewittchens gottlose Stiefmutter eingeladen. Wie sie sich nun mit schönen Kleidern angetan hatte, trat sie vor den Spiegel und sprach

 

'Spieglein' Spieglein an der Wand'

wer ist die Schönste im ganzen Land?'

 

Der Spiegel antwortete

 

'Frau Königin' Ihr seid die Schönste hier,

aber die junge Königin ist tausendmal schöner als Ihr.'

 

Da stieß das böse Weib einen Fluch aus, und ward ihr so angst, so angst, daß sie sich nicht zu lassen wußte. Sie wollte zuerst gar nicht auf die Hochzeit kommen: doch ließ es ihr keine Ruhe, sie mußte fort und die junge Königin sehen. Und wie sie hineintrat, erkannte sie Sneewittchen, und vor Angst und Schrecken stand sie da und konnte sich nicht regen. Aber es waren schon eiserne Pantoffeln über Kohlenfeuer gestellt und wurden mit Zangen hereingetragen und vor sie hingestellt. Da mußte sie in die rotglühenden Schuhe treten und so lange tanzen, bis sie tot zur Erde fiel.

 

 

http://gutenberg.spiegel.de/grimm/maerchen/sneewitt.htm

 

 

 

 

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-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ...

Gesendet: Samstag, 21. Januar 2006 23:08

An: info@maennerberatung.de

Betreff: Stimmungsschwankungen

 

 

Lieber Herr Thiel

Mein Name ist ... , ich bin 15 Jahre alt, und mein Problem ist folgendes:

Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich in der Pubertät bin, diese Zeit ist allerdings sehr schwer für mich, da ich extreme Stimmungsschwankungen habe. Manchmal habe ich das Gefühl, der grösste zu sein, ich werde überheblich und halte mich für was besseres. Dann wieder enstehen gewaltige Neidgefühle aus manchmal nichtigen Gründen (z.B Freund oder Freundin hat etwas, dass ich nicht habe) oder manchmal auch, weil ich ihre Familien und, so blöd sich das anhören mag, ihre Wohnungen und ihre Häuser beneide. Dann fühle ich mich wieder nichtig, ich habe einfach das Gefühl, alle hätten es wunderschön, nur ich nicht.

Ich bin mir bewusst, dass diese Gefühle grundlos sind, denn zweifellos bin ich aus etwas wert und ich darf auch nicht überheblich werden.

Aber wenn diese Gefühle in mir aufflammen, und dass kann sehr schnell geschehen, dann werde ich trotzig, ich kann mich von meiner Freundin nicht trösten lassen und weise sie ab. Ich kann garnicht anders...

Ich hoffe, sie können mir helfen

Freundliche Grüsse

... 

 

 

 

 

Hallo ... ,

 

um Ihnen helfen zu können, müsste man sicher erst einmal wissen, helfen wobei? Was wollen Sie denn verändern und was soll das Ergebnis der Veränderung sein?

Möglicherweise geht es bei Ihnen um das Thema Selbstwert. Wer sich seines Wertes nicht sicher ist, schwankt leicht zwischen manischen und depressiven Episoden, weil er (oder sie) nicht aus der verankerten Gewissheit des eigenen Selbstwertes schöpft, sondern aus der aktuellen Bestätigung oder Ablehnung durch andere. Naturgemäß findet man aber nicht immer Bestätigung oder Zustimmung, so dass die nächste Phase der Niedergeschlagenheit vorprogrammiert scheint.

Der Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke, scheint dafür ein bekanntes Beispiel gewesen zu sein.

Die Frage ist nun, wenn man sich seines Themas "Selbstwert" bewusst ist, wie man damit umgeht. Ist man ständig auf der Jagd nach Anerkennung und damit Heilung des verletzten Selbst, die auf diesem Weg jedoch nie gelingt oder sucht man nach einem anderen Weg, das verletzte Selbst in den Arm zu nehmen und seinen Schmerz zu stillen.

 

 

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: ...

Gesendet: Dienstag, 24. Januar 2006 18:09

An: männerberatung

Betreff: Re: Stimmungsschwankungen

 

Lieber Herr Thiel

Vielen Dank für ihre Mail

Sie haben mein Problem eigentlich genau ziemlich erfasst.

Zwar bemühe ich mich, meinen Selbstwert von anderen Einflüssen, wie Lob fernzuhalten

Jedoch schaffe ich es nicht, meinen Neid zu besiegen.

Ich verstehe nicht, wieso ich neidisch werde, allerdings wirkt sich mein Neid sehr negativ gegenüber anderen aus.

In letzter Zeit werde ich auf so kleinliche Dinge neidisch, dass es mir beinahe lächerlich erscheint.

Alles was ich bei anderen sehe, erscheint mir besser als das was ich habe.

Wie kann ich mich auf mich selbst beziehen, und mir selber sagen, dass ich nicht neidisch werden muss, nur weil Jene oder Jener etwas hat, was ich nicht habe?

Ich muss feststellen, dass sich in meiner Umgebung eigentlich garnichts verändert hat, sondern nur, dass ich vollkommen verändert über meine Umgebung denke.

Eines meiner Probleme ist z.B, dass meine Freundin, mit der ich ein schon ein halbes Jahr zusammen bin und die in meiner Klasse ist, nicht mit ihrer Freundin teilen kann.

Für ihre Hilfe danke ich bereits im Voraus

...

 

 

 

 

Lieber ... ,

 

versuchen Sie nicht, Ihren Neid zu bekämpfen. Das führt nur dazu, dass er sich noch stärker bemerkbar macht.

Schließen Sie statt dessen Ihren Neid wie einen guten Freund in Ihre Arme, denn der Neid ist jemand, der Sie immer wieder darauf aufmerksam machen will, dass Sie ein sehr bedürftiger Mensch sind.

 

Äußerlicher Reichtum, Besitz und Status verändert daran überhaupt nichts. Erst wenn Sie innerlich

reich geworden sind, dann werden Sie sich kaum noch an die Zeit erinnern können, in der Sie neidisch auf andere Menschen waren.

 

Lassen Sie sich also beschenken und berühren, von dem, was den Weg zu ihrem Herzen finden will. Geld ist eine schöne Sache, wenn man genug davon hat, doch es macht das Herz nicht satt. Öffnen Sie daher nicht nur Ihre Geldbörse, sondern auch Ihr Herz für die Liebe, die Ihnen jeden Tag begegnen will.

 

 

Gruß Peter Thiel

 

 

 

 

 

 

Literatur:

Ariane Schorn: "Wenn andere haben, was ich nicht habe - Die intrapsychische und interpersonelle Dynamik des Neides"; In: "Gruppendynamik und Organisationsberatung", 2003, S. 261-278

 

 

 


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